Made in China unter Verdacht

Menschenrechtsorganisationen blicken besorgt nach China. Besonders im Fokus steht die Behandlung der muslimischen Uiguren in der Provinz Xinjiang. Union Investment hat dazu ihre Engagement-Aktivitäten intensiviert.

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Paramilitärische Polizei patroulliert nach ethnischen Spannungen in Ürümqi in der chinesischen Region Xinjiang.

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Zwangsarbeit in der industriellen Produktion

Das Australian Strategic Policy Institute (Aspi) schätzt, dass die chinesische Regierung zwischen 2017 und 2019 mindestens 80.000 uigurische Arbeitskräfte über sogenannte „Armutsbekämpfungs- und Umsiedlungsprogramme“ aus Xinjiang in 27 Fabriken nach Ostchina umgesiedelt hat. Der international viel beachtete Aspi-Bericht stützt seine Ergebnisse hauptsächlich auf die Auswertung von Lieferantenbeziehungen, die durch öffentlich zugängliche Informationen dokumentiert sind. Die genannten Fabriken könnten Teil der Lieferketten von mehr als 80 bekannten globalen Marken sein, die möglicherweise unwissentlich an Menschenrechtsverletzungen beteiligt sind.

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Uigurische Türken demonstrieren gegen die Unterdrückung ihrer Volksgruppe in China vor dem chinesischen Generalkonsulat in Istanbul im Februar 2021.

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Engagement gegen Zwangsarbeit in China

Der Engagement-Prozess ist langfristig angelegt. Die Aktivitäten und Ergebnisse werden in regelmäßigen Abständen überwacht und evaluiert.

Engagement gegen Zwangsarbeit in China

Der Engagement-Prozess ist langfristig angelegt. Die Aktivitäten und Ergebnisse werden in regelmäßigen Abständen überwacht und evaluiert.

In der Folge hat Union Investment im Herbst 2020 einen Engagement-Prozess eingeleitet und sich in einem Schreiben an die betreffenden Emittenten gewandt. Das Schreiben bat die Unternehmen um eine detaillierte Stellungnahme zu den Verdachtsmomenten. Fast alle Unternehmen haben eigentlich Beschaffungsregeln, die eine Beschäftigung von Zwangsarbeitern auch in der Zulieferkette verhindern sollen. „Doch gerade in diesen weit verzweigten Geschäftsbeziehungen ist es nicht immer einfach zu erkennen, wo und in welchem Maße Menschenrechte verletzt werden“, sagt Leonard. „Dabei ist zu berücksichtigen, dass international anerkannte Menschenrechte durch souveräne Staaten uneinheitlich ausgelegt und angewandt werden und sich Unternehmen an geltendes nationales Gesetz halten müssen.“ Möglicherweise waren sich einige der angeschriebenen Unternehmen bisher noch keiner Mitverantwortung bewusst. „Ungeachtet dessen ist unser Ziel im Sinne der uns treuhänderisch anvertrauten Vermögen, Risiken konsequent zu minimieren. Daher wollen wir volle Transparenz über Mitverantwortung an Menschenrechtsverletzungen und drängen auf Abbruch von bedenklichen Kooperationen.“

Licht ins Dunkel

 

Lieferketten sind nicht immer transparent. Das gilt erst recht, wenn sie den ganzen Globus umspannen. Wir wünschen uns dennoch Offenheit, insbesondere wenn soziale Standards und Menschenrechte betroffen sind. Deswegen haben wir mit Blick auf das Leid der Uiguren Unternehmen um Stellungnahme gebeten. Die Antworten zeigen, dass die Unternehmen sich der Situation der Uiguren bewusst sind. Zudem signalisieren die Firmen, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass ihre Wertschöpfungskette frei von Menschenrechtsverstößen ist. So haben Konzerne davon berichtet, dass sie die Arbeitsbedingungen vor Ort regelmäßig überprüfen. Verstöße gegen vereinbarte Menschenrechtsrichtlinien durch Lieferanten können zum Ende der Geschäftsbeziehungen führen. Einige der durch uns kontaktierten Unternehmen haben ihre Lieferantenbeziehungen in der Region Xinjiang beendet, um sicherzustellen, dass sie keine Rohstoffe oder Fertigprodukte mehr beziehen, die möglicherweise unter Zwangsarbeit hergestellt wurden. Andere Unternehmen konnten glaubwürdig nachweisen, dass ihre Lieferkette keinen der im Aspi-Bericht genannten kritischen Zulieferer enthält. Licht ins Dunkel versprechen wir uns insbesondere von den Konzernen, die Lösungen suchen und finden, um den Schutz der Menschenrechte in ihrer Lieferkette aktiv vor Ort zu verbessern und hierüber transparent berichten. Auf diesem Weg möchten wir die Unternehmen begleiten. Daher werden wir auch weiterhin den konstruktiven Dialog mit den Unternehmen suchen. Unser Ziel lautet, dass Menschenrechte weltweit gewahrt und Risiken für die von uns verwalteten Gelder minimiert werden.

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