Einstieg in den Kohleausstieg

In einer 1,5-Grad-Welt bietet Kohle keine Zukunft mehr. Union Investment wird die Finanzierung von Kohleförderung und Kohleverstromung beenden. Ein differenzierter Blick bleibt dabei allerdings wichtig.

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Kohlestaubverschmutzter Strand in Australien
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Nur rund 20 Kilometer von Australiens Great Barrier Reef liegt der umstrittene Kohlehafen Abbot Point, dessen Kohlestaub bereits die Strände der Umgebung stark verschmutzt.

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Je mehr die Emissionsrechte künftig verknappt werden, desto teurer und unrentabler wird Kohlestrom. Durch verschärfte Umweltauflagen steigen bei Kohlekraftwerken außerdem sowohl die Investitionskosten als auch die Unterhaltskosten. Während Kohlekraftwerke so auf lange Sicht immer teurer werden, können sich Kraftwerke für erneuerbare Energien ohne diese Belastungen im Laufe der Jahre finanziell zunehmend amortisieren. Neben den wachsenden finanziellen Nachteilen sind Kohleförderung und Verstromung wegen Schäden an Mensch und Umwelt eine Hypothek für die Zukunft des Planeten (siehe Infografik). Unternehmen aus der Kohlebranche haben mit einem schmutzigen Image zu kämpfen und bergen ein hohes Risiko von Klimaklagen. Ironischerweise wird der durch sie mitverursachte Klimawandel selbst zu einem drängenden physischen Problem für Kohlekraftwerke. Wegen der globalen Erwärmung fehlt ihnen nämlich immer öfter das nötige Kühlwasser, um die Stromerzeugung während zunehmender Hitze- und Dürreperioden aufrechtzuerhalten. „All diese negativen Faktoren zusammengenommen führen zu einer Verdrängung von Kohlestrom durch erneuerbare Energien“, folgert Angela Quiroga. „Anlegern, die den Trend nicht oder zu spät erkennen, drohen in der Folge Verluste für die gestrandeten Vermögenswerte.“

Umstrittenes Steinkohlekraftwerk Datteln 4
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Besonders leistungsstark, aber klimaschädlich: Entgegen der Empfehlung der Kohlekommission ging das umstrittene Steinkohle­kraft­werk Datteln 4 im Mai 2020 in den Regelbetrieb.

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Unterscheidung zwischen Kohleförderung und Kohleverstromung

Kohle gehört in einer 1,5-Grad-Welt zu den Auslaufmodellen unter den Energieträgern. Union Investment verfolgt daher einen Kurs, um die Finanzierung der Kohleförderung und Kohleverstromung global zu beenden. Dabei wird zwischen unterschiedlichen Beteiligten in der Wertschöpfungskette unterschieden. Wie mehrere deutsche Energieerzeuger bereits gezeigt haben, nutzen Unternehmen, die bisher auf Kohlestrom setzten, durchaus die Möglichkeit, ihre Geschäftsmodelle zu transformieren und in Richtung erneuerbarer Energien umzustellen. Im Gegensatz zu ihnen sind reine Kohleförderer dazu in der Regel nicht fähig und kaum transformierbar. Dessen ungeachtet stehen beide Bereiche über die Engagement-Aktivitäten von Union Investment im Fokus einer genauen Analyse ihrer Kohle- und Dekarbonisierungsstrategien. „Allein im vergangenen Jahr haben wir bei mehr als 100 Unternehmen Engagements gegen die Kohleverstromung durchgeführt. Den Kohlebergbau hinzugerechnet summieren sich unsere Engagements im Jahr 2020 auf rund 200 Unternehmen“, berichtet Angela Quiroga. Die Ergebnisse zeigten, dass Kohleverstromer über verschiedene Engagement-Aktivitäten vor einem möglichen Ausschluss potenziell eher zu einer Transformation bewegt werden können. Dagegen hat sich Union Investment gegenüber Kohleförderern zu einem noch strengeren Vorgehen entschlossen. Laut dem Beschluss der Sitzung des ESG Committee vom 11. Februar 2020 werden die Kohleförderer weitgehend aus dem Investmentuniversum entfernt.

Wir rechnen damit, dass die zunehmende Bepreisung von CO₂-Emissionen die klimaschädliche Förderung und Verstromung von Kohle in den kommenden Jahren unrentabel und uninteressant machen wird.
Angela Quiroga

ESG-Analystin bei Union Investment

Thermalkohle zuerst im Fokus

Zunächst sind davon insbesondere die Förderer von Thermalkohle betroffen, sofern mindestens fünf Prozent (bisher galten 30 Prozent als Ausschlussgrenze) des Gesamtumsatzes aus dem Abbau thermaler Kohle stammen. Thermalkohle ist wie die Kokskohle (metallurgische Kohle) eine Untergruppe der Steinkohle. Während Thermalkohle hauptsächlich Verwendung in Kohlekraftwerken und in der Zementindustrie findet, wird die Kokskohle überwiegend in der Stahl- und Eisenindustrie verwendet. Da es aktuell noch keine anderen wirtschaftlich vertretbaren grünen Alternativen zur Stahlverhüttung mit Kokskohle gibt, wird diese vorerst weniger scharf in der Ausschlusspolitik für Kohle bewertet.

Union Investment hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 die Ausschlussgrenze weiter abzusenken und die Investitionen in Förderer von Kraftwerkskohle vollständig zu beenden. Den Kohleverstromern, die sich nicht transformieren, drohen mittelfristig ebenfalls Ausschluss und Deinvestment. Bis 2035 wird sukzessive der Grenzwert für die Kohleverstromung auf null herabgesenkt. Hiermit verfolgt Union Investment konsequent das Ziel der Klimaneutralität und minimiert für Anleger drohende Verlustrisiken durch eine unnötige Disruption in den Portfolios.

Grüner Stahl

Die klimafreundliche Verhüttung von Stahl mit grünem Wasserstoff könnte in Zukunft die Kokskohle ersetzen. Als das am weitesten fortgeschrittene Unternehmen gilt die schwedische Hybrit, die ab 2026 grünen Stahl im industriellen Maßstab liefern will.

Steinkohleverladung in Bangladesch
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Steinkohleverladung in Bangladesch: In vielen Entwicklungsländern und Emerging Markets wird Steinkohle abgebaut und verfeuert. Neben den Klimaschäden sind damit auch oft unhaltbare Arbeitsbedingungen verbunden.

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Pb PM Hg SO2 As NOx C6H6
Kohle passt nicht in eine 1,5-Grad-Welt Unter den fossilen Energieträgern gilt Kohle als weltweit größter Klimakiller. Bereits die Kohleförderung schädigt Umwelt und Gesundheit, beeinträchtigt Menschenrechte und vernichtet wichtige CO2-Speicher.
Klimaschäden
Klimaschäden
40% Kohle verursacht bei der Verbrennung die größten Treibhausgasemissionen unter fossilen Energieträgern
Bei der Verbrennung von Kohle werden außerdem tonnenweise gesundheitsschädliche Stoffe freigesetzt, die Menschen und Böden belasten.
Mit der Abholzung von Wäldern für den Tagebau werden wichtige CO2-Speicher vernichtet.
Umweltschäden
Umweltschäden
Der Grundwasserspiegel senkt sich infolge von Wasserableitungen aus Kohlebergwerken. Austrocknung und Versumpfung sind die Folgen.
Lebensraum wird vernichtet: für Tiere, Pflanzen und Menschen.
Die Veränderung größerer Ökosysteme fördert das Artensterben.
Landschaftsschäden:
Für die Kohleförderung werden in den USA ganze Bergkuppen weggesprengt.
Der Kohleabbau verursacht die Absenkung von Böden. Dies kann zu Erdrutschen und Überschwemmungen führen.
Ewigkeitsschäden: Selbst nach Stilllegung der Kohlebergwerke ist die bodenmechanische Stabilität beein- trächtigt und muss permanent unter hohen Kosten gesichert werden.
Durch schadstoffhaltiges Wasser und durch Kohleabfälle werden Gewässer und Böden belastet.
Menschenrechtsverletzungen
Menschenrechtsverletzungen
Umsiedlung und Vertreibung der umliegenden Bevölkerung.
Unterdrückung und Bedrohung der lokalen Bevölkerung, die sich gegen den Kohleabbau wehrt, zum Beispiel in Russland und Kolumbien.
In Entwicklungs- und Schwellenländern sind schlechte Bezahlung im Kohleabbau oft die Regel. Versicherungsschutz und Vorsorge fehlen ebenfalls oft.
Gesundheitsschäden
Gesundheitsschäden
Wegen mangelnder Arbeitssicherheit erhöht sich die Unfallgefahr bei Gasexplosionen und Einstürzen.
Unzureichender Arbeitsschutz führt beim Kohleabbau, bedingt durch den Kohlestaub, zu schweren Lungenschäden (,,Staublunge“).
Kohle passt nicht in eine 1,5-Grad-Welt
Kohle ist ein Klimakiller. Ihre Förderung und Verbrennung ist in vielen Fällen außerdem eine schwere Belastung für Umwelt, Gesundheit und Menschenrechte.

Ökonomisch und ethisch zwingend

 

Der Ausstieg aus Kohleförderung und -verstromung ist für Union Investment eine ökonomische, aber auch eine ethische Entscheidung. Wir rechnen damit, dass die zunehmende Bepreisung von CO₂-Emissionen die klimaschädliche Förderung und Verstromung von Kohle in den kommenden Jahren unrentabel und uninteressant machen wird. Beide Bereiche bergen schon heute enorme finanzielle Risiken für Anleger. Nicht nur weil die Kohle unrentabel wird und Minen- und Energieunternehmen in finanzielle Schieflage bringen kann. Sondern auch, weil durch den Abbau und die Verstromung von Kohle schwerwiegende Schäden an Klima, Umwelt und Menschen verursacht werden, die ethisch nicht zu verantworten sind. Sie sind eine Hypothek für jetzige und kommende Generationen. Diese schmutzigen Seiten der Kohle bedeuten nicht zuletzt für beteiligte Unternehmen auch ein hohes Klagerisiko. Beim Ausstieg ist jedoch Augenmaß wichtig. Statt pauschal Unternehmen auszuschließen, setzen wir auch im Sinne der Nachhaltigkeit, die nicht einfach so vom Himmel fällt, zunächst auf Transformation. Erst wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind und keinen Erfolg zeigen, beenden wir endgültig die Finanzierung betreffender Unternehmen.

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